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Die Entscheidung zwischen einer Gesamtmaßnahme und einer Maßnahme mit Maßnahmebausteinen ist eine der strategisch wichtigsten Weichenstellungen für jeden Bildungsträger, der mit der Agentur für Arbeit oder den Jobcentern zusammenarbeitet. Die Wahl des richtigen Konzepts hat weitreichende Konsequenzen – für die Zulassung, die Kalkulation, die Flexibilität Ihrer Angebote und letztlich für den Erfolg Ihrer Teilnehmenden am Arbeitsmarkt. Doch die Komplexität der rechtlichen Rahmenbedingungen und die feinen Unterschiede in der praktischen Umsetzung führen oft zu Unsicherheit.

Dieser umfassende Leitfaden bringt Licht ins Dunkel. Wir analysieren tiefgehend die Vor- und Nachteile beider Konzepte, verankern sie in den aktuellen rechtlichen Grundlagen von SGB III und AZAV und geben Ihnen anhand von konkreten Praxisbeispielen und einer detaillierten Checkliste das notwendige Rüstzeug an die Hand, um die optimale strategische Entscheidung für Ihr Institut zu treffen. Nach der Lektüre dieses Artikels werden Sie genau wissen, wann welches Konzept das richtige für Sie ist und wie Sie es erfolgreich bei der Fachkundigen Stelle zur Zulassung bringen.

Gesamtmaßnahme vs Maßnahmebausteine Infografik

💡 Was ist der Unterschied? Kurz erklärt

Eine Gesamtmaßnahme ist ein starres, komplettes Menü, das der Teilnehmer als Ganzes bucht. Eine Maßnahme mit Maßnahmebausteinen ist ein flexibles Buffet, bei dem sich der Teilnehmer die passenden Module individuell zusammenstellt. Dieser Guide erklärt Ihnen, wann Sie das Menü und wann das Buffet anbieten sollten.

1. Was ist eine Gesamtmaßnahme? Eine Definition

Eine Gesamtmaßnahme ist ein in sich geschlossenes, fest definiertes Bildungsangebot. Stellen Sie sich ein komplettes Menü vor: Der Teilnehmer bucht das gesamte Paket und durchläuft alle Gänge (Lerninhalte) in einer festgelegten Reihenfolge. Die zentralen Merkmale sind:

  • Einheitliches Thema: Die Maßnahme deckt ein komplettes, zusammenhängendes Themengebiet ab.
  • Feste Struktur: Dauer, Inhalte, Lernziele und die anvisierte Zielgruppe sind im Vorfeld exakt definiert und für alle Teilnehmenden gleich.
  • Keine Wahlfreiheit: Teilnehmer können nicht nur einzelne Teile der Maßnahme absolvieren. Es gilt das „Alles-oder-Nichts“-Prinzip.

Rechtlich betrachtet, wird die Gesamtmaßnahme als eine einzige, unteilbare Einheit konzipiert und zugelassen. Sie erhält eine einzige Maßnahmenummer und wird auch so auf dem Bildungsgutschein (BGS) oder Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) ausgewiesen.

2. Was sind Maßnahmebausteine (Module)? Eine Definition

Eine Maßnahme mit Maßnahmebausteinen, oft auch als modulare Maßnahme bezeichnet, ist wie ein Buffet. Sie definieren ein übergeordnetes Thema (z.B. „Digitale Kompetenzen“), unterteilen dieses aber in viele kleine, in sich abgeschlossene und einzeln verwertbare Häppchen – die Bausteine oder Module.

Die wesentlichen Eigenschaften sind:

  • Flexibilität & Individualität: Der Teilnehmer oder dessen Berater bei der Agentur für Arbeit bzw. dem Jobcenter kann genau die Bausteine auswählen, die für den individuellen Förderbedarf notwendig sind. So entsteht ein maßgeschneiderter Kursplan.
  • Eigenständige Einheiten: Jeder Baustein hat ein eigenes, klar definiertes Lehrgangsziel, eine eigene Dauer und spezifische Inhalte. Er ist für sich allein arbeitsmarktlich verwertbar [2].
  • Kombinierbarkeit: Die Bausteine müssen so konzipiert sein, dass sie sinnvoll miteinander kombiniert werden können, um ein übergeordnetes Qualifizierungsziel zu erreichen [1].

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3. Gesamtmaßnahme vs. Maßnahmebausteine: Der direkte Vergleich

Um die Entscheidung zu erleichtern, haben wir die wichtigsten Aspekte beider Konzepte in einer übersichtlichen Tabelle gegenübergestellt:

Kriterium Gesamtmaßnahme Maßnahme mit Maßnahmebausteinen
Flexibilität für Teilnehmer Gering. Der Teilnehmer muss den gesamten Kurs absolvieren. Hoch. Passgenaue Förderung durch individuelle Auswahl relevanter Module.
Planungsaufwand (Träger) Gering. Einfache, lineare Kursplanung für Gruppen. Hoch. Komplexe, individuelle Stundenpläne pro Teilnehmer, besonders zu Beginn.
Zulassungsaufwand Geringer. Ein Konzept, eine Kalkulation, ein Zulassungsverfahren. Höher. Jedes Modul benötigt eine eigene Kalkulation. Das Zulassungsverfahren kann teurer werden.
Kalkulation & Kosten Einfacher. Eine Gesamtkalkulation für die Maßnahme. Detaillierter & genauer. Pro Modul wird eine eigene, präzise Kalkulation erstellt.
Auswirkungen auf Gutschein Ein Gutschein pro Maßnahme. Der Stundenumfang ist fix. Ein Gutschein für mehrere Module. Die Förderentscheidung ist leichter begründbar.
Vermarktung Einfach. Ein klares, abgeschlossenes Angebot wird beworben. Gezielter. Einzelne, spezialisierte Module können gezielt vermarktet werden.
Risiko bei Abbruch Hoch. Bricht ein Teilnehmer ab, geht die gesamte Finanzierung für diesen Platz verloren. Geringer. Bricht ein Teilnehmer nur ein Modul ab, bleiben die anderen Module unberührt.
Ideal für… Homogene, in sich abgeschlossene Themen (z.B. Umschulungen, feste Zertifikatskurse). Heterogene Zielgruppen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen und Bedarfen.

💡 Praxis-Tipp: Der Trend geht zur Modularisierung

Die Kostenträger (Agentur für Arbeit, Jobcenter) bevorzugen zunehmend modulare Konzepte. Sie ermöglichen eine passgenaue und wirtschaftliche Förderung, die sich am individuellen Bedarf des Teilnehmers orientiert. Mit einem modularen Angebot positionieren Sie sich als flexibler und moderner Partner.

4. Praxisbeispiele: Wann nutze ich welches Konzept?

Die Theorie ist klar, doch wie sieht es in der Praxis aus? Hier zwei konkrete Szenarien, die den Unterschied verdeutlichen.

Szenario 1: Umschulung zum/zur Kaufmann/-frau für Büromanagement (Gesamtmaßnahme)

Sie planen eine 24-monatige Umschulung. Das Ziel ist ein staatlich anerkannter Berufsabschluss. Hier ist eine Gesamtmaßnahme die einzig sinnvolle Wahl.

  • Warum? Der Lehrplan ist durch die IHK-Prüfungsordnung fest vorgegeben. Alle Inhalte bauen aufeinander auf und sind für den Abschluss obligatorisch. Eine Aufteilung in Module wäre didaktisch unsinnig und würde dem Ziel – dem Berufsabschluss – entgegenwirken.
  • Umsetzung: Sie erstellen ein einziges, umfassendes Konzept, das alle Lernfelder der Umschulung abbildet, kalkulieren die gesamten 24 Monate und lassen diese als eine einzige Maßnahme zu.

Szenario 2: Coaching für Bewerber 50+ (Maßnahme mit Maßnahmebausteinen)

Sie möchten arbeitssuchende Personen über 50 Jahre bei der Jobsuche unterstützen. Die Bedarfe in dieser Zielgruppe sind extrem heterogen.

  • Warum? Ein 55-jähriger ehemaliger Manager benötigt kein Grundlagen-Training zu Word, aber vielleicht ein Modul zu „LinkedIn für Führungskräfte“ und „Moderne Interviewtechniken“. Eine 58-jährige Sachbearbeiterin hingegen braucht eventuell eine Auffrischung in Excel und ein Modul zu „Umgang mit Online-Bewerbungsportalen“. Eine Gesamtmaßnahme wäre hier für viele Teilnehmer ineffizient.
  • Umsetzung: Sie konzipieren eine modulare Maßnahme unter dem Ziel „Heranführung an den Arbeitsmarkt“ (§ 45 SGB III). Mögliche Bausteine könnten sein:
    • Modul 1: Digitale Kompetenzen für den Büroalltag (20 UE)
    • Modul 2: Professionelle Bewerbungsunterlagen erstellen (15 UE)
    • Modul 3: Souverän im Vorstellungsgespräch (10 UE)
    • Modul 4: Selbstvermarktung über XING & LinkedIn (20 UE)
    • Modul 5: Resilienz und Umgang mit Absagen (8 UE)

Der Berater im Jobcenter kann nun gemeinsam mit dem Kunden die passenden Module auswählen und auf einem AVGS bündeln.

5. Checkliste: Gesamtmaßnahme oder Bausteine – Was passt zu mir?

Nutzen Sie diese Checkliste als Entscheidungshilfe. Je mehr Fragen Sie im linken Bereich mit „Ja“ beantworten, desto eher eignet sich eine Gesamtmaßnahme. Je mehr zutrifft auf der rechten Seite, desto stärker spricht alles für ein modulares Konzept.

Checkpunkt für Gesamtmaßnahme Checkpunkt für Maßnahmebausteine
☐ Ist das Lernziel einheitlich und für alle Teilnehmer gleich (z.B. ein anerkannter Abschluss)? ☐ Gibt es stark unterschiedliche Vorkenntnisse und Bedarfe in meiner Zielgruppe?
☐ Bauen alle Lerninhalte zwingend aufeinander auf? ☐ Sollen Teilnehmer die Möglichkeit haben, nur für sie relevante Inhalte zu wählen?
☐ Ist die Zielgruppe sehr homogen? ☐ Ist jeder einzelne Themenblock für sich alleinstehend bereits arbeitsmarktlich relevant?
☐ Ist der Planungs- und Verwaltungsaufwand ein kritischer Faktor für mich? ☐ Möchte ich maximale Flexibilität für die Kostenträger (Jobcenter/Agentur) bieten?
☐ Verkaufe ich ein klar definiertes „Produkt“ mit festem Ergebnis? ☐ Möchte ich das Risiko von Maßnahmeabbrüchen finanziell minimieren?

6. Auswirkungen auf die Zulassung

Der Zulassungsprozess unterscheidet sich je nach Konzept. Bei einer Gesamtmaßnahme reichen Sie ein einziges, geschlossenes Konzept mit einer Gesamtkalkulation ein. Bei einer modularen Maßnahme müssen Sie für jeden einzelnen Baustein eine separate, in sich schlüssige Kalkulation vorlegen. Der initiale Aufwand ist höher, zahlt sich aber durch die gewonnene Flexibilität oft aus.

7. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Kann ich für eine modulare Maßnahme mehrere Bildungsgutscheine bekommen?

Nein, das ist gerade der Vorteil der Baustein-Lösung. Der Teilnehmer erhält für alle gewählten Module, die zu einem Maßnahmeziel gehören, nur einen einzigen Bildungsgutschein oder AVGS. Das vereinfacht den Prozess für den Kostenträger erheblich.

2. Was passiert mit der Maßnahmenummer bei Bausteinen?

In der Regel wird für die gesamte modulare Maßnahme (also den „Baukasten“) eine Maßnahmenummer vergeben. Die einzelnen Bausteine werden dann unter dieser Nummer geführt. Eine frühzeitige Klärung mit der zuständigen Agentur ist hier ratsam.

3. Ist die Kalkulation bei Maßnahmebausteinen wirklich so viel aufwendiger?

Ja, der initiale Aufwand ist höher. Sie müssen für jeden einzelnen Baustein eine separate, in sich schlüssige und wirtschaftliche Kalkulation bei der Fachkundigen Stelle einreichen. Dieser Mehraufwand zahlt sich aber durch die höhere Flexibilität und genauere Abrechnungsmöglichkeiten oft aus.

4. Kann ich eine Gesamtmaßnahme nachträglich in Bausteine aufteilen?

Nein, eine bereits zugelassene Gesamtmaßnahme kann nicht einfach in Bausteine zerlegt werden. Sie müssten hierfür einen komplett neuen Zulassungsantrag für eine modulare Maßnahme stellen.

5. Welches Konzept ist bei den Kostenträgern beliebter?

Der Trend geht eindeutig in Richtung Maßnahmebausteine. Sie unterstützen das Prinzip der „individuellen Integrationsstrategie“ der Agentur für Arbeit und Jobcenter. Eine passgenaue, bedarfsgerechte Förderung lässt sich mit modularen Konzepten oft besser begründen und umsetzen.

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Dennis Kraft

Über den Autor: Dennis Kraft

Dennis Kraft ist Gründer von AZAV-Wissen und ein führender Experte für die AZAV-Zertifizierung und das Bildungsmarketing in Deutschland. Mit über 10 Jahren Erfahrung hat er hunderten Bildungsträgern geholfen, ihre Prozesse zu optimieren, Prüfungen erfolgreich zu bestehen und ihre Teilnehmerzahlen nachhaltig zu steigern.

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