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Die Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) wird oft ausschließlich mit privaten Bildungsträgern in Verbindung gebracht. Doch auch für Hochschulen und ihre Weiterbildungseinrichtungen bietet die AZAV-Zertifizierung eine strategische Chance, neue Zielgruppen zu erschließen, zusätzliche Einnahmen zu generieren und einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung zu leisten.

Während die wissenschaftliche Weiterbildung an Hochschulen traditionell auf Selbstzahler und Unternehmen ausgerichtet ist, eröffnet die AZAV den Zugang zu einem bisher oft unerschlossenen Markt: die geförderte Weiterbildung von Arbeitssuchenden, von Arbeitslosigkeit bedrohten Beschäftigten und Geringqualifizierten. Dieser Artikel beleuchtet die Möglichkeiten, Herausforderungen und den konkreten Nutzen einer AZAV-Zertifizierung für Hochschulen.

Zahlreiche Hochschulen haben bereits den Schritt gewagt und ihre Weiterbildungseinrichtungen erfolgreich zertifizieren lassen. Die Erfahrungen zeigen: Mit der richtigen Strategie und professioneller Unterstützung lassen sich die Herausforderungen meistern und die Chancen optimal nutzen.

Warum AZAV für Hochschulen? Die strategischen Vorteile

Die AZAV ermöglicht es Bildungsträgern, Maßnahmen der aktiven Arbeitsförderung anzubieten, die von der Agentur für Arbeit oder den Jobcentern durch Bildungsgutscheine oder Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheine (AVGS) finanziert werden. Für Hochschulen bedeutet dies den Zugang zu einem Markt mit erheblichem Potenzial.

Die Vorteile einer AZAV-Zertifizierung für Hochschulen sind vielfältig und strategisch bedeutsam:

Vorteil Beschreibung
Neue Zielgruppen Erschließung von Arbeitssuchenden, Beschäftigten mit Bildungsgutschein und Geringqualifizierten als zusätzliche Teilnehmergruppe neben Selbstzahlern
Stabile Einnahmen Geförderte Weiterbildung stellt eine planbare und verlässliche Einnahmequelle dar, unabhängig von konjunkturellen Schwankungen
Gesellschaftliche Verantwortung Direkter Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels und zur Integration von Arbeitssuchenden in den Arbeitsmarkt
Qualitätssicherung Das erforderliche Qualitätsmanagementsystem professionalisiert interne Abläufe und steigert die Qualität aller Weiterbildungsangebote
Regionale Verankerung Stärkung der Rolle als wichtiger Akteur in der regionalen Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik durch Kooperation mit Arbeitsagentur und Jobcentern
Wettbewerbsvorteil Positionierung als Hochschule mit praxisnahen, arbeitsmarktorientierten Weiterbildungsangeboten und Differenzierung im Wettbewerb

💡 Wichtig zu wissen: Die AZAV-Zertifizierung ist nicht nur für private Bildungsträger gedacht. Das Sozialgesetzbuch III (SGB III) unterscheidet nicht zwischen privaten und öffentlichen Trägern – entscheidend sind allein die Erfüllung der Qualitätsanforderungen und die Arbeitsmarktrelevanz der Angebote.

Erfolgreiche Beispiele: Diese Hochschulen sind bereits AZAV-zertifiziert

Zahlreiche Hochschulen in Deutschland haben die Chancen der AZAV bereits erkannt und ihre Weiterbildungseinrichtungen erfolgreich zertifizieren lassen. Diese Beispiele zeigen, dass die AZAV-Zertifizierung für Hochschulen unterschiedlicher Trägerschaft, Größe und fachlicher Ausrichtung ein gangbarer und erfolgreicher Weg ist.

Evangelische Hochschule Berlin (EH Berlin)

Das Zentrum für Fort- und Weiterbildung (ZFW) der EH Berlin ist seit 2021 AZAV-zertifiziert und hat bereits mehrere erfolgreiche Überwachungsaudits absolviert. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Anpassungslehrgang für Hebammen aus Drittstaaten, der durch Bildungsgutscheine finanziert wird. Die Hochschule hat damit einen wichtigen Beitrag zur Integration ausländischer Fachkräfte in das deutsche Gesundheitssystem geleistet.

Die EH Berlin betont in ihren Berichten die intensive Vorbereitung der Audits und die damit verbundene Beschäftigung mit den eigenen Strukturen und Maßnahmen. Diese Qualitätssicherung wirkt sich positiv auf alle Weiterbildungsangebote der Hochschule aus.

Hochschule Albstadt-Sigmaringen

Die Hochschule Albstadt-Sigmaringen bietet AZAV-zertifizierte Kurse in zukunftsweisenden Bereichen wie Data Science und Digitale Forensik an. Diese Angebote richten sich an Fachkräfte, die sich in diesen gefragten Bereichen weiterqualifizieren möchten, und werden über Bildungsgutscheine finanziert.

Universität Tübingen

Das Zentrum für Wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Tübingen ist bereits seit dem Jahreswechsel 2015/2016 nach AZAV zertifiziert und gehört damit zu den Pionieren unter den Hochschulen. Die langjährige Erfahrung zeigt, dass sich die AZAV-Zertifizierung langfristig etablieren und als fester Bestandteil des Weiterbildungsportfolios integrieren lässt.

Universität Bremen

Auch die Universität Bremen bietet AZAV-zertifizierte Weiterbildungen an und betont die hohen Qualitätsstandards einer renommierten Universität als Garant für die Qualität der Veranstaltungen. Die fachliche Verantwortung liegt bei den jeweiligen Fachbereichen, was die akademische Qualität sicherstellt.

IU Internationale Hochschule

Die IU Akademie als Teil der IU Internationalen Hochschule ist ein prominentes Beispiel für eine Hochschule, die ihr Weiterbildungsangebot konsequent nach AZAV ausgerichtet hat. Mit über 300 AZAV-zertifizierten Weiterbildungen zeigt die IU, welches Potenzial in diesem Bereich liegt. Die Angebote sind staatlich anerkannt und entsprechen den strengen Anforderungen des SGB III.

✅ Praxisbeispiel: Anpassungslehrgang für ausländische Fachkräfte

Ein typisches AZAV-Angebot von Hochschulen sind Anpassungslehrgänge für ausländische Fachkräfte, die ihre im Ausland erworbenen Qualifikationen an deutsche Standards anpassen müssen. Diese Lehrgänge kombinieren akademisches Wissen mit praxisnahen Inhalten und werden von der Arbeitsagentur gefördert, da sie einen direkten Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten.

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Herausforderungen und Lösungsansätze

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat in ihren Empfehlungen zur wissenschaftlichen Weiterbildung vom November 2021 auf die spezifischen Herausforderungen einer AZAV-Zertifizierung für Hochschulen hingewiesen. Diese Herausforderungen sind real, aber mit der richtigen Strategie und professioneller Unterstützung durchaus zu meistern.

Herausforderung 1: Hoher Aufwand

Die HRK weist darauf hin, dass eine AZAV-Zertifizierung für Hochschulen sehr aufwändig ist. Dies betrifft insbesondere die Einrichtung und Dokumentation eines Qualitätsmanagementsystems (QMS), die Vorbereitung auf Audits und die laufende Pflege der Zertifizierung.

Lösungsansatz: Externe Beratung und Begleitung durch spezialisierte Dienstleister kann den Aufwand erheblich reduzieren. Diese Berater kennen die Anforderungen genau und können Hochschulen effizient durch den Zertifizierungsprozess führen. Zudem können bestehende QM-Systeme aus dem Bereich Studium und Lehre oft adaptiert werden.

Herausforderung 2: Nicht immer adäquat für Hochschulangebote

Die HRK betont, dass die AZAV-Zertifizierung nicht für alle Hochschulangebote adäquat ist. Insbesondere rein wissenschaftliche, forschungsorientierte Weiterbildungen passen nicht immer zum AZAV-System, das stark auf Arbeitsmarktorientierung und berufliche Qualifizierung ausgerichtet ist.

Lösungsansatz: Hochschulen sollten den Fokus auf praxisorientierte, berufsqualifizierende Weiterbildungen legen, die zum AZAV-System passen. Dies können beispielsweise Zertifikatskurse, Anpassungslehrgänge oder berufsbegleitende Studiengänge sein, die eine klare Arbeitsmarktrelevanz haben.

Herausforderung 3: Fehlende Durchlässigkeit

Die HRK fordert eine Verbesserung der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und wissenschaftlicher Weiterbildung. Derzeit gibt es noch zu viele Hürden bei der Anerkennung von Leistungen und der Kooperation zwischen verschiedenen Bildungsträgern.

Lösungsansatz: Kooperationen mit beruflichen Bildungsträgern eingehen, um Brücken zwischen beruflicher und akademischer Weiterbildung zu bauen. Hochschulen können als Partner in Bildungsketten fungieren und so ihre Expertise einbringen.

Herausforderung 4: Bürokratische Hürden

Die AZAV-Zertifizierung bringt einen erheblichen administrativen Aufwand mit sich: Dokumentation, Nachweise, Audits, Berichtspflichten. Für Hochschulen, die oft schon mit der Verwaltung von Studium und Lehre ausgelastet sind, kann dies eine zusätzliche Belastung darstellen.

Lösungsansatz: Klare Zuständigkeiten und Prozesse innerhalb der Hochschule schaffen, um den administrativen Aufwand zu bewältigen. Eine dedizierte Stelle oder Abteilung für AZAV-Weiterbildung kann sinnvoll sein, um Expertise zu bündeln und Effizienz zu steigern.

Herausforderung Lösungsansatz
Hoher Aufwand Externe Beratung und Begleitung durch spezialisierte Dienstleister in Anspruch nehmen
Nicht immer adäquat Fokus auf praxisorientierte, berufsqualifizierende Weiterbildungen legen, die zum AZAV-System passen
Fehlende Durchlässigkeit Kooperationen mit beruflichen Bildungsträgern eingehen, um Brücken zwischen beruflicher und akademischer Weiterbildung zu bauen
Bürokratische Hürden Klare Zuständigkeiten und Prozesse schaffen, dedizierte Stelle für AZAV-Weiterbildung einrichten

💡 Praxis-Tipp: Die HRK empfiehlt dem Bund und den Ländern, die Durchführung von Maßnahmen der Agentur für Arbeit oder der Jobcenter für Hochschulen weiter zu öffnen und zu vereinfachen. Hochschulen sollten diese politischen Entwicklungen aktiv verfolgen und sich in entsprechende Diskussionen einbringen.

Der Weg zur AZAV-Zertifizierung für Hochschulen

Der Prozess der AZAV-Zertifizierung für Hochschulen unterscheidet sich im Grundsatz nicht von dem für private Bildungsträger. Er gliedert sich in zwei Stufen, die beide erfolgreich absolviert werden müssen, um geförderte Maßnahmen anbieten zu können.

Stufe 1: Trägerzulassung nach § 178 SGB III

Die Trägerzulassung ist die Grundvoraussetzung für die Durchführung von AZAV-Maßnahmen. Die Hochschule bzw. ihre Weiterbildungseinrichtung muss nachweisen, dass sie über ein funktionierendes Qualitätsmanagementsystem verfügt und die Anforderungen des § 178 SGB III erfüllt.

Die Anforderungen umfassen:

1. Leistungsfähigkeit

Die Hochschule muss nachweisen, dass sie über die erforderlichen personellen, räumlichen und technischen Ressourcen verfügt, um Weiterbildungsmaßnahmen durchzuführen. Dies umfasst qualifizierte Dozenten, geeignete Räumlichkeiten und eine angemessene Ausstattung.

2. Qualitätsmanagementsystem

Ein dokumentiertes QM-System ist Pflicht. Für Hochschulen, die bereits über ein QM-System im Bereich Studium und Lehre verfügen (z.B. im Rahmen der Systemakkreditierung), kann dieses oft adaptiert werden. Wichtig ist, dass alle AZAV-spezifischen Anforderungen abgedeckt sind.

3. Arbeitsmarktorientierung

Die Weiterbildungsangebote müssen eine klare Arbeitsmarktrelevanz haben. Dies ist für Hochschulen oft leicht nachzuweisen, da viele Weiterbildungen auf konkrete berufliche Qualifikationen abzielen.

Die Trägerzulassung wird von einer Fachkundigen Stelle (z.B. ZertSozial, TÜV, DEKRA) durchgeführt. Nach erfolgreichem Audit erhält die Hochschule ein Zertifikat, das drei Jahre gültig ist. Jährlich finden Überwachungsaudits statt, um die fortlaufende Einhaltung der Anforderungen zu überprüfen.

Stufe 2: Maßnahmenzulassung

Nach der Trägerzulassung muss jede einzelne Weiterbildungsmaßnahme, die über einen Bildungsgutschein gefördert werden soll, von einer Fachkundigen Stelle zugelassen werden. Diese Maßnahmenzulassung prüft, ob die konkrete Maßnahme die Anforderungen der AZAV erfüllt.

Geprüft werden unter anderem:

  • Lernziele und Inhalte: Sind sie klar definiert und arbeitsmarktrelevant?
  • Methodik und Didaktik: Sind sie für die Zielgruppe geeignet?
  • Dauer und Umfang: Sind sie angemessen?
  • Qualifikation der Dozenten: Sind sie fachlich und pädagogisch geeignet?
  • Erfolgskontrolle: Wie wird der Lernerfolg gemessen?

Die Maßnahmenzulassung ist in der Regel für die Dauer der Maßnahme gültig, maximal jedoch für drei Jahre. Bei regelmäßig stattfindenden Maßnahmen kann eine Dauerzulassung beantragt werden.

Zeitrahmen und Kosten

Der gesamte Zertifizierungsprozess dauert in der Regel 4-8 Monate, abhängig vom Vorbereitungsstand der Hochschule. Die Kosten für die Trägerzulassung liegen typischerweise zwischen 3.000 und 6.000 Euro, die Maßnahmenzulassung kostet pro Maßnahme etwa 500-1.500 Euro.

📊 Förderung möglich: Hochschulen können für die Zertifizierung eine Förderung durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragen. Die Förderquote beträgt bis zu 50% der Beratungskosten, maximal 3.200 Euro.

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Welche Weiterbildungsangebote eignen sich für die AZAV?

Nicht alle Weiterbildungsangebote von Hochschulen sind für eine AZAV-Zertifizierung geeignet. Entscheidend ist die Arbeitsmarktrelevanz und die berufliche Qualifizierung. Folgende Formate haben sich in der Praxis bewährt:

Angebotstyp Beschreibung Beispiele
Anpassungslehrgänge Qualifizierung ausländischer Fachkräfte zur Anerkennung ihrer Abschlüsse Hebammen, Pflegekräfte, Ingenieure, Lehrer
Zertifikatskurse Kompakte Weiterbildungen mit Hochschulzertifikat Data Science, Digitale Forensik, Projektmanagement
Berufsbegleitende Studiengänge Bachelor- oder Masterstudiengänge mit klarer Berufsorientierung MBA, Master in Digitalisierung, Bachelor in Wirtschaftsinformatik
Umschulungen Qualifizierung für einen neuen Beruf IT-Berufe, kaufmännische Berufe
Aufstiegsfortbildungen Qualifizierung für höhere Positionen Fachwirt, Betriebswirt, Meister

💡 Praxis-Tipp: Hochschulen sollten bei der Entwicklung von AZAV-Angeboten eng mit der lokalen Arbeitsagentur zusammenarbeiten. Diese kann Auskunft darüber geben, welche Qualifikationen am Arbeitsmarkt besonders gefragt sind und welche Angebote gute Chancen auf Förderung haben.

Politische Rahmenbedingungen und Empfehlungen

Die Hochschulrektorenkonferenz hat in ihren Empfehlungen zur wissenschaftlichen Weiterbildung konkrete Forderungen an Bund und Länder formuliert, um die Rahmenbedingungen für AZAV-zertifizierte Hochschulangebote zu verbessern.

Empfehlungen an den Bund

Der Bund wird von der HRK aufgefordert:

1. Handreichung für Behörden: Zusammen mit den Ländern eine Handreichung für Ministerien und Behörden zu erarbeiten, die Rechtssicherheit schafft, unter welchen Bedingungen Beauftragungen von Weiterbildung möglich sind, die ein öffentliches Interesse bedienen.

2. EU-Beihilferecht: Auf europäischer Ebene darauf hinzuwirken, dass die Studiengänge der wissenschaftlichen Weiterbildung in Deutschland als hoheitliche Aufgabe deklariert werden, um eine umfassende Anwendung des EU-Beihilferechts einzuschränken.

3. Angleichung der Rahmenbedingungen: Sich den Ländern als Impulsgeber und Moderator für die notwendige Angleichung der rechtlichen Rahmenbedingungen anzubieten.

4. Verbesserung der Durchlässigkeit: Sich nachdrücklich für die Verbesserung der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und wissenschaftlicher Weiterbildung zu engagieren, sowohl innerhalb des BMBF als auch in der Kooperation mit dem BMAS.

5. Förderprogramme: Weitere Förderprogramme zu initiieren, die auf die Verbesserung der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und wissenschaftlicher Weiterbildung zielen.

Diese Empfehlungen zeigen, dass die Hochschulrektorenkonferenz die Bedeutung der AZAV für Hochschulen erkannt hat und politische Unterstützung einfordert, um die Rahmenbedingungen zu verbessern.

Fazit: AZAV als strategische Chance für Hochschulen

Die AZAV-Zertifizierung ist für Hochschulen eine strategische Entscheidung mit weitreichenden positiven Effekten. Sie ermöglicht nicht nur den Zugang zu neuen Zielgruppen und Finanzierungsquellen, sondern stärkt auch die gesellschaftliche Relevanz und die regionale Verankerung der Hochschulen.

Die Beispiele erfolgreicher Zertifizierungen zeigen, dass die Herausforderungen mit einer klaren Strategie und professioneller Unterstützung gemeistert werden können. Hochschulen, die bereits AZAV-zertifiziert sind, berichten von positiven Erfahrungen und einem Mehrwert für ihre gesamte Weiterbildungsarbeit.

Für Hochschulen, die ihre wissenschaftliche Weiterbildung zukunftsfähig aufstellen wollen, ist die Auseinandersetzung mit der AZAV ein unverzichtbarer Schritt. Die politischen Rahmenbedingungen entwickeln sich weiter, und die Forderungen der Hochschulrektorenkonferenz zeigen, dass die Bedeutung der AZAV für Hochschulen zunehmend erkannt wird.

Die AZAV ist mehr als nur eine Zertifizierung – sie ist ein Instrument zur Professionalisierung der Weiterbildung, zur Erschließung neuer Märkte und zur Stärkung der gesellschaftlichen Verantwortung von Hochschulen. In Zeiten des Fachkräftemangels und der Notwendigkeit lebenslangen Lernens können Hochschulen mit AZAV-zertifizierten Angeboten einen wichtigen Beitrag zur Zukunftssicherung leisten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Können auch staatliche Hochschulen eine AZAV-Zertifizierung erhalten?

Ja, das Sozialgesetzbuch III (SGB III) unterscheidet nicht zwischen privaten und öffentlichen Bildungsträgern. Entscheidend sind allein die Erfüllung der Qualitätsanforderungen und die Arbeitsmarktrelevanz der Angebote. Zahlreiche staatliche Hochschulen wie die Universität Tübingen oder die Universität Bremen sind bereits erfolgreich AZAV-zertifiziert.

Muss die gesamte Hochschule zertifiziert werden oder nur die Weiterbildungseinrichtung?

In der Regel wird nicht die gesamte Hochschule, sondern die Weiterbildungseinrichtung (z.B. das Zentrum für Weiterbildung) als eigenständiger Träger zertifiziert. Dies ermöglicht eine klare Abgrenzung zwischen dem regulären Studienangebot und den AZAV-Maßnahmen und erleichtert die Verwaltung.

Wie lange dauert der Zertifizierungsprozess für Hochschulen?

Der gesamte Prozess von der Vorbereitung bis zur Trägerzulassung dauert in der Regel 4-8 Monate. Hochschulen, die bereits über ein etabliertes Qualitätsmanagementsystem verfügen, können den Prozess oft beschleunigen. Die Maßnahmenzulassung für einzelne Angebote dauert zusätzlich etwa 4-8 Wochen.

Welche Kosten entstehen für die AZAV-Zertifizierung?

Die Trägerzulassung kostet typischerweise zwischen 3.000 und 6.000 Euro, abhängig von der Größe und Komplexität der Einrichtung. Die Maßnahmenzulassung kostet pro Maßnahme etwa 500-1.500 Euro. Hinzu kommen Kosten für externe Beratung (optional) und interne Personalkosten für die Vorbereitung. Eine BAFA-Förderung von bis zu 50% der Beratungskosten (max. 3.200 Euro) ist möglich.

Können auch Masterstudiengänge AZAV-zertifiziert werden?

Ja, berufsbegleitende Masterstudiengänge mit klarer Arbeitsmarktorientierung können AZAV-zertifiziert werden. Voraussetzung ist, dass sie eine berufliche Qualifizierung darstellen und die Vermittlung in Beschäftigung fördern. Rein wissenschaftliche, forschungsorientierte Masterstudiengänge sind in der Regel nicht geeignet.

Wie oft müssen Audits durchgeführt werden?

Nach der erfolgreichen Trägerzulassung finden jährlich Überwachungsaudits statt. Nach drei Jahren ist eine Re-Zertifizierung erforderlich. Die Audits überprüfen stichprobenartig die Wirksamkeit des Qualitätsmanagementsystems und die Erfüllung der AZAV-Anforderungen.

Welche Fachkundigen Stellen sind für Hochschulen geeignet?

Für Hochschulen eignen sich Fachkundige Stellen, die Erfahrung mit akademischen Einrichtungen haben. Bewährte Anbieter sind ZertSozial, TÜV Rheinland, DEKRA und QBS. Es empfiehlt sich, vorab Referenzen einzuholen und zu prüfen, welche Fachkundige Stelle bereits mit anderen Hochschulen zusammengearbeitet hat.

Kann ein bestehendes QM-System aus Studium und Lehre genutzt werden?

Ja, Hochschulen, die bereits über ein QM-System im Bereich Studium und Lehre verfügen (z.B. im Rahmen der Systemakkreditierung), können dieses oft als Grundlage nutzen. Es muss jedoch um AZAV-spezifische Anforderungen ergänzt werden, insbesondere im Bereich Arbeitsmarktorientierung, Teilnehmermanagement und Erfolgskontrolle.

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Haftungsausschluss

Die Informationen in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Sie dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Beratung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte können wir keine Gewähr übernehmen. Die AZAV-Zertifizierung unterliegt gesetzlichen Regelungen und den Vorgaben der Fachkundigen Stellen, die sich ändern können. Rechtliche und finanzielle Entscheidungen sollten Sie stets in Absprache mit den zuständigen Stellen und nach Rücksprache mit Ihrer Hochschulleitung treffen.